Heidnische Tanzfeste  


Heidnische Tanzfeste in Kirchherten um 1200

Im 2. Bande der "Sonnenwende, Forschungen zur germanischen Religions- und Sagengeschichte" des 1925 verstorbenen Universitätsprofessors Franz Joltes in Münster i.W. findet sich ein Bericht über kultische Tänze in unserer Heimat vor etwa 800 Jahren.

"Von zwei Tanzfesten zu Ehren des Widdergottes - Haupt des Tierkreises - in der Erzdiözese Köln berichtet Cäsarius von Heisterbach: Der bekannte Scholastiker Oliver, der 1225 als Kardinal in Rom starb, kam einmal auf dem Weg nach Aachen durch ein Dorf, in dem man einen Widder aufgerichtet hatte, den das Volk unter Musik und Gesang umtanzte. So oft die Tänzer an dem Kopf des Widders vorbeikamen, verbeugten sie sich vor ihm, als ob sie ihn anbeteten. Oliver wollte seitdem das Dorf nicht wieder betreten. (Homilien III 85)

Ein anderes Mal stiftete ein Reicher aus Kirchherten einen Widder, den er mit buntem Flitter behangen auf einem Baum neben einer Bühne aufstellen und dem besten Tänzer versprechen ließ. Aus der ganzen Umgegend strömte das Volk zu dem Feste herbei; der Ortsgeistliche aber, der darin Götzendienst erblickte, verbot den Tanz unter Strafe der Exkommunikation. Da man sich darum nicht kümmerte, griff der Himmel ein. Unter den Klängen von Cymbeln und Flöten, Geigen und Pauken erhob sich bei heiterem Himmel plötzlich ein Gewitter, das mit starkem Hagel verbunden war und die ganze Gegend verheerte.

Anscheinend handelt es sich bei dem Widderfest um einen Kult zur Erlangung günstiger Witterung, insbesondere Regen, denn der Widder wie sein Fell waren schon bei den Griechen ein althergebrachtes Symbol des Zeus Meilichios, d.h. des Gnädigen, zu dem man um Regen und Kühlung betete.

Die Tänze waren vor allem zu den Sonnenwenden beliebt, an denen man den Wechsel in der Himmelsherrschaft feierte. - In Bayern sind übrigens die Hammelspiele noch jetzt lebendig, wie man aus Zeitungsankündigungen sehen kann."

Der Schlußsatz von Professor Joltes mag uns in Kirchherten trösten: Es wird mit dem verstockten Heidentum unserer Vorfahren vor 800 Jahren doch nicht so schlimm gewesen sein, wenn die Bayern noch bis vor wenigen Jahrzehnten so etwas praktizierten. Außerdem mag man sich trösten, dass auch der Fastelovend und Zachäus auf einen heidnischen Kult zurückzuführen sind.

Aus: "Rur-Blumen" vom 15. April 1933